Sorbus – Eberesche, Speierling, Mehlbeere, Elsbeere


Die Gattung Sorbus gehört zur Familie der Rosaceae (Rosengewächse) und umfaßt ca. 80 – 100 Arten, je nachdem, welche Arten man hinzurechnet. Diese Anzahl kann noch erheblich zunehmen, da sie sich untereinander oft gut kreuzen können und diese neuen Hybriden oft genetisch stabil sind. So ist neben den Gattungsbastarden mit Aronia auch ein solcher Bastard bekannt, welcher durch Kreuzung mit der Birne (Gattung Pyrus) entstanden ist.

Dieser erscheint als Baum von bis zu 15 m Höhe und trägt birnenförmige Früchte mit einem Durchmesser von 2,5 Zentimeter, welche eine gelb Färbung besitzen und eine rote „Backe“ haben. Sie schmecken zwar durchaus süß dafür aber sehr trocken.

Alle Sorbus-Arten sind im Norden des Äquators zu hause und verbreitet. Sie stellen dort sommergrüne Gehölze dar. Von Ihnen kommen mehrere nicht aus Europa, sondern hauptsächlich aus dem chinesischen Himalaya-Gebirge. Die meisten Arten sind Kleinbäume, Sträucher oder auch nur zwergförmig gewachsene Gehölze. Nahezu alle wild vorkommenden sind sehr anspruchslos und passen sich gut sich verändernden Umweltbedingungen an.

Allgemeines & Vorkommen der Vogelbeere, Eberesche (Sorbus aucuparia)

Der Vogelbeerbaum ist in nahezu ganz Europa sowie auch Westasien verbreitet. Er kommt in Mitteleuropa nahezu überall vor. Die Eberesche verträgt gut sehr tiefe Temperaturen, daher ist sie auch vom Tiefland bis in klimatisch ungünstige Gebirgs- und Kammlagen so gut wie überall zu finden.  Von allen baumähnlich wachsenden Laubgehölzen klettert sie am höchsten.

Als beispiel sei an dieser Stelle der Vogelbeerbaum in Südtirol sowie im Kanton Graubünden zu nennen, der sogar noch auf einer Höhe von 2300 m über dem Meeresspiegel wächst. Auch außerhalb von Europa existieren Vorkommen in ähnlichen kargen Gegenden wie in Sibirien oder dem Kaukasus.

Das ist wohl auch die Begründung, weshalb er von allen existenten Laubgehölzen dem Nordpol am nähesten kommt. In Süden von Europa beschränkt sich das Vorkommen der Eberesche somit auf die Mittelgebirge Süditaliens und in Spanien auf die Berge von Madeira, und jenseits des Mittelmeeres gehört auch das Atlasgebirge zu ihrem Verbreitungsgebiet. Die Verbreitungsgrenze im Osten verläuft durch Mittelsibirien, wie im Wolgagebiet.

Unterarten der Eberesche

Verursacht durch das erheblich Verbreitungsgebiet dieser Pflanze sind mehrere Gattungen entstanden, welche manche Autoren auch eigene Arten nennen. Soe ist sogar die Sorte ´Edulis´ manchmal als Unterart oder völlig selbstänige Art beschrieben. Die „gewöhnliche“ Eberesche wird aus diesem Grund auch als Sorbus aucuparia ssp. aucuparia bezeichnet. Eine weitere, häufig anzutreffende Unterart ist S. aucuparia ssp. glabrata. Sie hat ihr Vorkommen in Nordeuropa sowie den Alpen und auch in den subalpinen Hochlagen.

Diese ist Bestandteil der Baumgrenze auf 1800 Höhenmetern, kommt aber auch im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und z.T. auch im Harz, etwa im Gebiet des Brocken, vor. Im Gegensatz zur normalen Wuchsform, wächst sie nur äußerst langsam und dick als Strauch. Sie kann eine Höhe von 3 – 4 Metern erreichen und blüht schon im Juni / Juli, also bereits 4 Wochen vor der S. aucuparia ssp. aucuparia. Ihre Früchte sind eiförmig und länglich. Daneben sind noch weitere Unterarten bekannt.

Geschichte des Anbaus der Eberesche und aktuelle Entwicklungen

Die obstbauliche Nutzung der Eberesche begann nicht erst vor ein paar hundert Jahren, sondern bereits im Mittelalter. Karl der Große hat Aufzeichnungen zu Folge die Eberesche als sehr wertvolles Obstgehölz betrachtet. Die Geschichte der Züchtung von Kultursorten begann bereits recht frühzeitig mit der Entdeckung der Mährischen oder Eßbaren Eberesche bei Spornhau im nordböhmischen Altvatergebirge um 1810.

Hier soll sie auch zum allerersten Mal veredelt worden sein. Ein wenig später sind aus Spornhau sowie dem Nachbarort Peterswald Edelreiser und Bäume von dieser Sorte in alle Regionen von Österreich-Ungarn und nach Deutschland transportiert worden. Durch diese Maßnahme wurde die „Süße Eberesche“ äußerst schnell als wertvolle Obstart für klimatisch ungünstige Gebirgslagen erkannt. Ab dem Jahre 1900 wurde diese Kultursorte auch immer mehr von Baumschulen vermehrt und schließlich zum Kauf angeboten.

Ab dem Jahre 1905 hat der russische Züchter Michurin damit begonnen, eine Kreuzung von Eberesche und anderen Arten vorzunehmen, wodurch er eine Verbesserung der Fruchtqualität erreichen wollte. Er kreuzte Sorbus aucuparia mit Sorbus alpina, Crataegus sanguinea, Mespilus germanica und Aronia sp. Im Ergebnis sind die heute bekannten Sorten ´Titan´, ´Burka´, ´Granataja´, ´Likernaja´ und ´Michurinskaja Dessertnaja´, von denen die ersten drei auch unter dem Kapitel „Sorten“ beschrieben werden. Ab dem Jahr 1940 begannen auch genauere pomologische Untersuchungen mit dieser Sorte. Dennoch wurde die Eberesche lange Zeit nur für die Verwertung der Früchte im eigenen Haushalt angebaut.

Im industriellen Stil wurde die Eberesche erst nach dem 2. Weltkrieg in der ehemaligen DDR kultiviert. In dieser Zeit haben auch andere Länder damit begonnen. Durch die schon damals angelaufene Selektion von Sorten sollen bereits vor 40 Jahren ein paar Arten mit äußerst opulenten Früchten sowie einem hohen Gehalt an Vitaminen im Umlauf gewesen sein.

Mit diesem Ergebnis konnte die Lebensmittelindustrie im Jahre 1954 die Früchte der Eberesche zum allerersten Mal sinnvoll als hochwertigen Rohstoff einsetzen bei gleich bleibender Qualität der Frucht. Nach dem neuesten Stand der Entwicklungen existieren zur Zeit in Dresden-Pillnitz 26 verschiedene Kultursorten der Eberesche. Auch heute noch wird sie in den neuen Bundesländern in Erwerbsanlagen kultiviert und als anspruchsloses, robustes Obstgehölz geschätzt, während sie in den alten Bundesländern bisher kaum angebaut wird.

So wurde zum Beispiel 1993 in Dresden-Pillnitz ein Versuch gestartet um zu prüfen ob die Eignung verschiedener Sorbus-Sorten und -arten für unterschiedliche Bereiche der Landschaftsgestaltung und des Landbaus vorliegt. Diese Untersuchungen enthielten auch Tests für Kultursorten der Eberesche aus dem In- und Ausland um ihre Eignung für den erwerbsmäßigen Anbau zu prüfen. Experten haben dabei vor allem den Wert der Früchte zur Gewinnung von Produkten im Auge, welche die Gesundheit fördern sollen.

Eine Vollendung dieses Versuches wird in der nächsten Zeit nicht zu erwarten sein. Insgesamt ist der Anbau von Vogelbeeren in Deutschland zur Zeit noch von recht geringer Bedeutung. Die Preise sind derzeit jedoch nicht so schlecht bei bis zu 120 DM/dt Erntegut. Deshalb liegt es eher am Image, das die Eberesche bei der Bevölkerung hat, als an den tatsächlichen Gegebenheiten, daß sie noch nicht im großen Umfang angebaut wird. So weist sie der Name „Vogelbeere“ eher als Vogelfutter und nicht so sehr als auch für den Menschen geeignetes Nahrungsmittel aus.

Auch ist es nicht gerade hilfreich, daran zu erinnern, daß sie vor dem ersten Weltkrieg bei der Volksernährung eine Rolle spielte und sie in der ehemaligen DDR als Ersatz für andere vitaminreiche Früchte wie Zitronen herhalten sollte. Vor allem aber mangelt es im Anbau dieses Wildobstes immer noch in den Bereichen Anbau und Verarbeitung an Unternehmern, die zu Risiken bereit sind, gemeinsame Aktionen durchführen und eine sinnvolle Strategie zur Vermarktung entwickeln können. Der Anbau selbst erscheint im Vergleich dazu als nicht gerade aufwendig, wie sich noch zeigen wird.

Obstbaulich genutzt wird die Eßbare Eberesche auch in Bulgarien, Rußland und Polen. Dort erfolgt der Anbau v.a. in den für andere Obstarten klimatisch ungünstigen Mittelgebirgslagen. In Rußland existieren noch weitere, in Mitteleuropa kaum bekannte Sorten aus der Sortengruppe „Nevezhinsker Eberesche“, welche seit dem Jahr 1954 in den nördlichen Gebieten Rußlands von offizieller Seite zum Anbau empfohlen wurde.

In Österreich wird die Eberesche traditionell zu Vogelbeerschnaps verarbeitet, jedoch wird dieser eher aus Früchten gewonnen, welche aus Rumänien oder der ehemaligen Tschechoslowakei stammen. Auch die Österreicher befaßten sich bereits mit der Züchtung neuer Sorten. So wurden in Klosterneuburg obstbaulich interessante Typen zusammengetragen und auf ihren Wert für den Anbau untersucht. Dort existieren heute z.B. von der Sorte ´Rosina´ bereits einige Selektionen, von denen sich manche hinsichtlich Ertrag und Inhaltsstoffen erheblich voneinander unterscheiden.

In Westeuropa befinden sich seit längerer Zeit auch die sogenannten „Lombard-Hybriden“ im Anbau, welche der Gemeinen Eberesche sehr ähnlich sind und sich ebenfalls durch einen hohen Vitamin-C- und Sorbit-Gehalt der Früchte auszeichnen. Diese werden im Kapitel „Andere Sorbus-Arten“ erwähnt.

Erscheinungsbild des Vogelbeerbaumes

In der Natur wächst der Vogelbeerbaum oft baumförmig mit einem oder mehreren Stämmen und erreicht dabei eine Höhe von bis zu 15 m, mitunter auch nur bis 6 m. Er schießt bei günstigen Bedingungen in den ersten 20 Jahren jährlich bis zu 40 cm in die Höhe und bis zu 30 cm in die Breite, bis das Wachstum sich dann mit zunehmendem Alter nach und nach verlangsamt.

Die Stammverlängerung geht dabei meist konsequent bis weit in die Krone hinauf durch. Die Hauptäste streben zuerst steil nach oben und ergeben so mit den zahlreich vorhandenen, abstehenden Zweigen eine Krone von zunächst eiförmiger Gestalt. Ältere Pflanzen besitzen eine lockere, breit rundliche Kronengestalt. Solche Bäume erreichen ein Alter von bis zu 50 – 70 Jahren. Junge Zweige sind mit feinen Härchen besetzt und tragen im Winter filzig behaarte, nicht klebrige Knospen , die wechselständig angeordnet sind.

Die Blätter erscheinen ab Anfang April und werden bis zu 20 cm lang. Sie sind unpaarig gefiedert mit vier bis neun Fiederblattpaaren, von satt dunkelgrüner Farbe. Die Fiederblätter selbst sind 2 – 6 cm lang, zugespitzt und scharf grob gesägt, im unteren Drittel jedoch ganzrandig. Die Basis der Blättchen ist stets eindeutig asymmetrisch. Die blaugraue Blattunterseite ist im Sommer i.d.R. dünn behaart.

Die Blüten werden nach ca. 10 Jahren angesetzt. Sie zeigen sich in ihren Ansätzen schon beim Laubaustrieb, ihre attraktive Wirkung entfalten sie aber erst ab Mitte Mai , wobei der Beginn der Blütezeit je nach Höhenlage variiert.

So blüht die Eberesche manchmal auch noch im Juni. Die bis zu 1 cm breiten Einzelblüten sind weißlich, hin und wieder auch etwas gelblich und erzeugen einen Duft, den manche Leute oft als nicht gerade angenehm empfinden. Sie sind zu Doldentrauben von bis zu 15 cm Durchmesser zusammengefasst, manchmal auch bis 20 cm breit, und bestehen aus 200 – 300 einzelnen Blüten. Diese Trugdolden stehen aufrecht auf den Triebspitzen.

Die Früchte werden reif im Zeitraum von August bis Oktober und wirken dann durch ihre hochrote Färbung recht ansehnlich als Fruchtschmuck. Dieser wirkt zudem noch recht lange, da selbst die Vögel die Früchte erst spät als Nahrungsquelle nutzen, was wohl am bitteren Geschmack liegt. Die Vogelbeeren werden dabei v.a. von Drosseln verzehrt. Die einzelnen Früchte weisen einen Durchmesser von 1 cm auf und sind von nahezu kugeliger Gestalt. Die Fruchtfarbe kann von hochrot hin zu orange bis scharlachrot variieren, unreif sind die Früchte gelblich. Ihre Oberfläche ist mit wenigen, kleinen Lentizellen besetzt. Eigentlich gehören „Vogelbeeren“ zum Kernobst, was an den verdorrten Überbleibseln des Blütenkelchs erkennbar ist, welche sich am oberen Pol der Frucht befinden.

Inhaltsstoffe

Die oben beschriebenen, winzigen Kernäpfel werden wegen des bitter-säuerlichen Geschmacks kaum roh verzehrt, was auch die Vögel zunächst kaum wagen. Schuld daran ist die in den Früchten enthaltene Parasorbinsäure, welche die Schleimhäute reizt und mit einem an Mäusen ermittelten LD50-Wert von 750 mg/kg als leicht giftig angesehen wird. Sie kann beim Menschen auch Durchfall, Glykosurie, Albuminurie und fieberhafte Gastritis auslösen.

Durch Kochen der Früchte kann sie jedoch leicht unschädlich gemacht werden, wodurch sie in Sorbinsäure umgewandelt wird. Diese hat wiederum die positive Eigenschaft, daß sie sehr gut wirkt gegen Hefen, Schimmelpilze und bestimmte Bakterien. Bei den Kultursorten ist der Gehalt an Parasorbinsäure jedoch recht gering.

Außerdem enthalten die Früchte viel Vitamin C bei einem Gehalt von 80 – 100 mg/100 g Frischsubstanz. Mitunter liegt dieser Wert sogar bei 120 mg/100 g FS; im Preßsaft beträgt er 30 – 60 mg/100 g und im Konzentrat des Saftes sogar bis zu 240 mg/100 g. Auch Vitamin-P-aktive Substanzen sind reichlich enthalten.

An Fruchtsäuren ist v.a. viel Apfelsäure vorhanden mit 2,4 – 3,2 mg/100 g im Saft und etwa 15 g /100 g im Konzentrat. Zum herb-sauren Aroma der Früchte trägt neben dem Zuckergehalt von maximal 10 – 12 % auch das in ihnen vorkommende Sorbit bei, welches gut für Diabetiker sein soll. Den Gehalt an Gesamtzucker dieser kleinen Kernäpfel geben andere Quellen auch nur mit 5 – 10 % an. Für die Vergärung ist der Extraktgehalt der Früchte besonders wichtig. Dieser kann sowohl bei der wilden Eberesche, als auch bei den Kultursorten in guten Jahren bei mehr als 25% bzw. mehr als 100° Oechsle liegen. Allerdings beinhalten die Früchte der Kultursorten nur 11 % und diejenigen der reinen Art nur 3 – 6 % an vergärbaren Zuckern. Das oben genannte, reichlich vorhandene Sorbit gehört nicht zu diesen. Auch ätherische Öle und Gerbstoffe sind reichlich enthalten. Die Früchte sind dabei v.a. reich an Phenolen, wodurch sie nicht nur bitter schmecken, sondern auch adstringierend wirken.

Standortansprüche der Eberesche

Für die Kultur der Eberesche sind im Prinzip fast alle Bodenarten geeignet. Sie kann sowohl auf trockenen, mageren, als auch auf eher feuchten, aber durchlässigen Substraten noch recht gut wachsen. Die Jahresmitteltemperatur sollte dabei zwischen 4,5 und 7°C liegen.

Der Standort kann sonnig bis lichtschattig sein, solange die Luftfeuchte hoch ist und es am Standort möglichst kühl bleibt. Ungünstig sind jedoch zu starke Beschattung und trockenes Klima, z.B. Stadtklima. Die jährliche Niederschlagsmenge sollte für den erwerbsmäßigen Anbau 800 – 900 mm betragen, tiefe Wintertemperaturen bis -30°C werden dagegen recht gut vertragen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Frosthärte soll bei den Kultursorten sogar noch höher sein als die der Wildform.

Diese Sorten zeichnen sich im Allgemeinen auch durch eine größere Trockenheits- und Kalktoleranz aus. Generell sind leichte und trockene Böden für den Anbau nicht besonders günstig, ebenso wie Kalkböden, wo die Wuchsstärke zu wünschen übrig läßt. Auf solchen Böden wird die Eberesche auch nicht besonders alt. Gänzlich ungeeignet sind flachgründige Böden, wo bei sommerlicher Trockenheit die Blätter schon sehr frühzeitig abgeworfen werden.

Dagegen sind Staunässe oder zeitweise Überflutung im allgemeinen nicht schädlich. Zudem sollen für eine gute Fruchtentwicklung windige Lagen günstiger sein als eingeschlossene, geschützte Tallagen. In wärmeren Gegenden sind nach Norden geneigte Flächen günstiger, weil sonst im Spätsommer die Bäume ein zweites Mal blühen könnten, was eher ertragsmindernd ist.

Auch die Süße Eberesche ist nicht für den kleinen Hausgarten zu empfehlen, da sie dort schnell zu groß wird. Dagegen ist sie gut geeignet für den Einsatz in Streuobstanlagen, wo sie im Herbst durch ihren Fruchtschmuck auch die Landschaft ästhetisch bereichern kann. Auch auf Luftverschmutzung reagiert die Eberesche nicht besonders empfindlich, weshalb sie auch in der Nähe von Industrieanlagen noch recht gut gedeiht, jedoch nicht im innerstädtischen Bereich.

Anzucht und Pflanzung von Ebereschen

Weil die Eigenart der Freiheit von Bitterstoffen sich von der Edel-Eberesche nicht auf deren Sämlinge überträgt, werden die Kultursorten i.d.R. durch Veredlung vermehrt. Als Unterlage wird dazu üblicherweise die Gemeine Eberesche selbst verwendet. Die so gewonnenen Bäume werden aber recht groß, außerdem setzen dann die Erträge erst recht spät ein. Eine Veredlung auf Quitte C oder Quitte der Provence ergibt einen schwächeren Wuchs.

Ein noch schwächerer Wuchs wird mit Weißdorn als Unterlage erreicht, allerdings ist dann das Infektionsrisiko für Feuerbrand recht groß. Nach den neuesten Erfahrungen aus Dresden-Pillnitz soll sich Aronia melanocarpa optimal als schwach wachsende Unterlage einsetzen lassen bei gleichzeitig geringem Aufwand. Im Gegensatz zu anderen Sorten kann ´Rosina´ zu einem kleinkronigen Baum auch durch Veredlung auf Sorbus intermedia (Schwedische Mehlbeere, Beschreibung S. …) erzogen werden.

Die übliche Veredlungsmethode ist dabei die Okulation, welche insbesondere bei der Verwendung von Sorbus aucuparia als Unterlage an zweijährigen Sämlingen am Wurzelhals in einer Höhe von 3 – 5 cm erfolgt. Die Anwachsrate ist mit 90 – 95 % recht hoch. Üblicherweise werden Ebereschen zu Halb- und Viertelstämmen erzogen, aber auch als Heister (Gehölze mit starker, seitlicher Verzweigung und noch nicht vorhandener Krone) können sie bezogen werden.

Daneben läßt sich die Eberesche auch durch Stecklinge unter Sprühnebel vermehren, auch die Vermehrung durch In-Vitro-Kultur ist möglich.

Für die Neuanlage einer Ebereschenanlage sollten einjährige Veredlungen verwendet werden. Zweijährige Pflanzen sind dagegen nicht so günstig, weil dann häufig Probleme beim Anwachsen auftreten. Vor der Pflanzung soll auch der übliche Wurzel- und Kronenschnitt erfolgen. Üblich ist eine Pflanzweite von 5 x 4 m, bessere Flächenerträge ergeben jedoch ein Reihenabstand von 4,5 m und ein Pflanzabstand in der Reihe von 3,5 m. Bei der Bepflanzung von Böschungen und Restflächen ist auch ein engerer Abstand sinnvoll.

Bei den Anbauversuchen, die 1993 in Dresden-Pillnitz anliefen, wurde ein Pflanzabstand von gar nur 4 x 4 m angewandt. Letzterer ist jedoch nur dann zu empfehlen, wenn die Jungpflanzen auf Aronia melanocarpa veredelt sind. Die Kombination einer solchen Anzucht mit einer solchen Pflanzweite gilt als zukunftsweisend. Bei einer Erziehung als Halbstämme wird dagegen beim Pflanzen ein Abstand von 7 x 6 m empfohlen.

Auf kalkhaltigen Böden sind v.a. auf Quitte veredelte Pflanzen günstig. Wenn der Wuchs noch schwächer sein soll, sind auf Weißdorn veredelte Sorten günstiger.

Sorbus – Erziehung und Schnitt

Damit die jungen Bäume standfest sind, sollten sie möglichst bald nach der Pflanzung an Pfähle gebunden werden. An diesen entlang kann dann später ein Draht gespannt werden, so daß eine breite Kronenerziehung gut möglich ist. Die Hauptäste sollen dabei in einem Winkel von 30 – 40° ansetzen, damit die Ernte erleichtert wird. Dies wird durch ein flaches Abbinden der Leitäste erreicht, was bereits in den ersten Standjahren geschehen soll.

Gleichzeitig sollen die Nebenäste auf 10° flach gebunden werden, was v.a. für Halbstämme mit einer Stammhöhe von 60 cm empfohlen wird. Durch ein solches Abspreizen wird auch ein früherer Ertragsbeginn und eine günstige Verzweigung erzielt. Dazu soll schon eine Absenkung des Ansatzwinkels auf 45° deutliche Vorteile bringen.

Auch ohne Schnitt ergibt sich eine lockere Krone. Die durchzuführenden Schnittmaßnahmen sind daher minimal und beschränken sich i.d.R. auf ein hin und wieder durchzuführendes Auslichten der Krone. Erst wenn die Zweige die Länge von 1 m erreicht haben, ist ein Formierungsschnitt sinnvoll.

In der Ertragsphase soll ein alle drei bis vier Jahre durchgeführtes Auslichten zu einer Förderung des Wachstums führen, wodurch auch die Qualität der Früchte besser werden soll. So kann der natürlicherweise rasch erfolgenden Vergreisung vorgebeugt werden. Um an windigen, schneereichen Standorten Schneebruch vorzubeugen, ist jedoch der Aufbau eines nicht nur lockeren, sondern auch kräftigen Astgerüstes anzuraten. Dazu soll die Krone neben der Stammverlängerung aus nur drei bis vier Leitästen aufgebaut sein.

Um sie zu kräftigen, ist es sinnvoll, die Stammverlängerung in den ersten Jahren um ein Drittel zu reduzieren, so daß ein verstärkter Neuaustrieb einsetzt. Es sollte jedoch beim Schnitt darauf geachtet werden, daß keine allzu großen Schnittwunden entstehen, da diese nur schlecht überwallt werden. Durch einen recht starken Rückschnitt entstehen am Wurzelhals auch viele Stockaustriebe. Bei Schädigungen durch Wind- und Schneebruch kann jedoch ein Verjüngungsschnitt notwendig sein.

Der astfreie Stamm sollte nicht höher sein als 70 cm, damit möglichst viele Kulturarbeiten vom Boden aus vorgenommen werden können. Vor allem die Ernte wird bei solchen Viertelstämmen zusätzlich erleichtert. Im Allgemeinen soll es möglich sein, durch regelmäßigen Schnitt die Kronenhöhe auf maximal 6 m zu reduzieren.

Pflanzenschutz und Schädlinge

Im Allgemeinen wird die Eberesche recht selten von Schädlingen befallen. Von den tierischen Schädlingen kann v.a. die Ebereschenfruchtmotte (Argyrestia conjugella) an den Früchten bedeutende Schäden verursachen, indem sie etwa ab Anfang Juni ihre Eier an den noch recht kleinen Früchten ablegt.

Die daraus schlüpfenden Raupen fressen das Fruchtfleisch von innen her auf, wobei sie Gänge von der Größe einer Stricknadel hinterlassen. Dadurch kommt es zu einem vorzeitigen Fruchtfall. Sechs Wochen nach dem Schlüpfen sind die Raupen bereits erwachsen. Im Winter fallen sie durch ihre sogenannte „Handstandhaltung“ auf, in der sie dann bis zum nächsten Juni ruhen. Da sie z.T. auch an Äpfeln große Schäden verursachen können, sollten sie konsequent bekämpft bzw. an der Ausbreitung gehindert werden.

Auch die Ebereschensägewespe (Hoplocama alpina) kann die Ernte stark reduzieren, indem ihre braunköpfigen, weißen, mit 10 Beinpaaren versehenen Afterraupen schon früh die Früchte befallen und sie dann von innen her aushöhlen, wodurch es zu Fäulnis kommt. Daneben können die Früchte auch durch die Ebereschensamenwespe (Negastigmus brevicaudis) geschädigt werden. Dabei liegen die weißen, augen- und fußlosen Larven gekrümmt im Fruchtkern und behindern dadurch die Fruchtentwicklung.

Daneben sind noch weitere Insekten, Milben und Blattläuse bekannt, welche die Blätter schädigen. Zu diesen gehören v.a. die Ebereschenpockenmilbe (Eriophyres piri var. variolata), die Ebereschenblattnestlaus (Yezabura sorbi), die Ebereschenknospenmotte (Argyrestia sobiella), die Breitfüßige Birkenblattwespe (Croesus septentrionalis), die Dunkelblaue Rosenbürsthornblattwespe (Arge nigripes) und der Ebereschenblattsauger (Psylla sorbi). Auch Glanzkäfer können den Bäumen Schäden zufügen.

Es tauchen auch öfter Schäden auf, die vom Ebereschenrost oder von Ebereschen-Monilia verursacht werden. Die Früchte weisen zudem immer wieder schwarze Flecken auf, die wohl hauptsächlich von Schorfpilzen verursacht werden.

Neben Schorf tritt bei der Eberesche leider gelegentlich auch Feuerbrand auf (Gugenhan 1997 c), denn auch sie gehört zu der Unterfamilie der Maloideae und damit zu denjenigen Pflanzen, die für Feuerbrand besonders anfällig sind.

Gegen diese Krankheit gibt es zur Zeit keine zugelassenen, wirkungsvollen Pflanzenschutzmittel. Es können lediglich vorbeugend die Anlagen genau auf das Auftreten seiner Symptome untersucht und dann die befallenen Zweige mit den typischen, schwärzlich und vertrocknet aussehenden Blättern entfernt werden, die anschließend sofort verbrannt werden sollten. Es existieren jedoch schon einige Sorten, welche für Schorf und / oder Feuerbrand nicht so anfällig sein sollen. Auch bei der Bekämpfung von Schorf, Monilia und Ebereschenrost besteht das Problem, daß es zwar aus dem Tafelapfelanbau Pflanzenschutzmittel gibt, die dagegen gut wirksam wären; aber diese Mittel sind im Moment für den Anbau von Vogelbeeren nicht zugelassen.

Schließlich soll noch darauf hingewiesen werden, daß die Bäume unbedingt vor Verbiß durch Hasen oder Rotwild geschützt werden müssen, was durch den Einsatz von Drahthosen oder Stammschützern geschehen kann. Dies ist v.a. beim Anbau in Gebirgslagen zu beachten. Außerdem werden die Früchte natürlich – wie der Name schon sagt – leidenschaftlich von Vögeln gefressen, v.a. von Drosseln, wobei ihnen die Früchte der bitterstoffarmen Kultursorten sogar noch besser schmecken.

Bodenpflege und Düngung

Bodenpflege: Die Bodenbearbeitung sollte in den ersten Standjahren regelmäßig erfolgen, um für ein gutes Pflanzenwachstum zu sorgen. Später kann sie gänzlich entfallen. Der Boden sollte nur flach gelockert werden, um Wurzelverletzungen zu vermeiden. Nach den Erfahrungen von Dresden-Pillnitz eignet sich Grasmulch als Bodenpflegesystem recht gut, wobei der Baumstreifen dort durch den Einsatz von Herbiziden offen gehalten wird.

Düngung: Generell sollte auch hier die Düngung erst erfolgen, nachdem eine Bodenuntersuchung vorgenommen wurde und deren Ergebnisse vorliegen. Bei der Durchführung der Untersuchungen zur Anbaueignung in Dresden-Pillnitz wurden z.B. an Stickstoff 1998 und 1999 jährlich 20 kg N/ha gedüngt. Schon ältere Quellen bezeichnen die erforderlichen Mengen an Dünger als gering bei einem jährlichen Bedarf an Stickstoff von 40 kg/ha, an Phosphor von 10 kg/ha und an Kalium von 30 kg/ha bei gleichzeitiger, gelegentlicher Kalkung. Es sollte aber auf keinen Fall mit frischem Stallmist gedüngt werden.

Ernte und Erträge

Die Ernte kann schon Ende August bis Anfang September durchgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Früchte zwar noch sauer und orangefarben, aber reich an Vitaminen. Diese Früchte eignen sich v.a. für die Herstellung von Konzentraten, Säfte und Gelees. Komplett rei werden sie hingegen erst nach 3 bis 4 Wochen, wobei aber immer das steigt, daß sie von Vögeln gefressen werden. Auch geht der Vitamin-C-Gehalt bis dahin wieder um 20 – 30 % zurück.

Erst in diesem Zustand werden jedoch die Fruchtschalen allmählich weich. Vollreife Früchte gelten deshalb beim Schnapsbrennen als besonders wertvoll. Auch für die Verarbeitung zu „Rosinen“ und Kompott sind die Früchte in diesem Zustand besser geeignet. Werden die Früchte der wilden Eberesche verwertet, so sollten diese gar erst nach Frosteinwirkung geerntet werden. Dies ist generell auch dann zu empfehlen, wenn die Früchte roh als Tafelobst verzehrt werden sollen.

Weil die Ernte von Hand leicht durchgeführt werden kann, ist dies die bis heute gängige Methode. Sie kann in Anlagen mit Viertelstämmen zum großen Teil vom Boden aus erfolgen. Es muß jedoch darauf geachtet werden, daß mit den Fruchtständen nicht auch die sich an deren Stielen befindenden Blütenknospen abgebrochen werden, was die Erträge im nächsten Jahr verringern würde. Es ist dabei mit einer Arbeitsleistung von 14 – 23 kg/Akh zu rechnen.

Bei niedrigen Bäumen von 4 – 6 m Höhe ist das Ernten mit der Schere gut auszuführen. Schüttelgeräte sind dagegen nicht einsetzbar, weil Dolden und Früchte sich auf diese Weise kaum lösen. Bei höheren Kronen gelten verlängerte Baumscheren mit Teleskopstangen und Seilzug als gutes Hilfsmittel zum Abernten der Früchte. Dadurch ist die Ernte auch bei stark verzweigten Kronen und im unwegsamen Gelände noch gut durchführbar, wo der Einsatz einer Leiter erschwert wird.

Wenn die Früchte bei der Ernte nicht beschädigt werden, lassen sie sich auch über größere Entfernungen ohne große Qualitätseinbußen recht gut transportieren. Zum Transport sind hierzu Kisten, Steigen oder Körbe bestens geeignet, worin die Früchte möglichst luftig liegen sollen.

Die Früchte sind auch für eine gewisse Zeit relativ gut lagerbar, doch geht während der Lagerung viel vom wertvollen Vitamin C verloren, und auch Zucker- und Stärkeabbau machen sich bemerkbar. Wenn jedoch eine Lagerung erforderlich ist, so sollte sie bei 0°C und 80 – 85 % relative Luftfeuchte erfolgen.

Vor der Fruchtverarbeitung müssen noch diejenigen Dolden aussortiert werden, deren Früchte von schwarzen Schimmelpilzrasen bedeckt sind. Dies ist v.a. für die Herstellung von Destillaten erforderlich. Insbesondere hierfür müssen die Früchte auch von Doldenstielen und Kämmen befreit werden, weil das Endprodukt sonst bitter schmeckt. Bei diesem Arbeitsvorgang müssen die einzelnen Früchte von den Stielchen abgerissen werden, wofür mehr Zeit aufgewendet wird als für die eigentlichen Ernte. Zur Erleichterung dieser Arbeit lohnt sich bei kleineren Erntemengen der Einsatz eines Drahtgitters mit Holzrahmen, dessen Maschenweite etwa 2 cm betragen sollte. Dieses wird auf einen großen Topf oder Eimer gelegt. Bei größeren Erntemengen ist der Einsatz einer Rebelmaschine sinnvoll.

Erste Erträge sind im fünften Standjahr zu erwarten, sie betragen 2 – 3 kg/Baum. Danach setzt eine stetige Steigerung der Erträge ein, bis ab dem zehnten Standjahr der Vollertrag erreicht ist. Dieser liegt dann bei maximal 20 – 40 kg/Baum. Andere Fachleute schätzen den Ertrag als geringer ein bei etwa 15 – 20 kg/Baum, was in etwa einem Flächenertrag von 90 – 120 dt/ha entspricht. Bei einer Pflanzweite von 4,5 x 3,5 m sollen auch 10 – 20 t/ha möglich sein. Besonders bei Einzelbäumen können die Erträge noch wesentlich größer sein, wobei 50 – 100 kg/Baum durchaus möglich sind . Im Gegensatz zu anderem Kernobst wie Äpfeln oder Birnen konnte bei der Eberesche bislang keine Alternanz beobachtet werden, so daß jedes Jahr hohe Erträge zu erwarten sind.

Verarbeitung

Aus den Früchte des Vogelbeerbaums läßt sich v.a. Mus, Gelee oder Marmelade herstellen, wobei sie für diese Zwecke auch mit anderen Früchten zusammen verwertet werden können. Vor allem sollten diese Wildfrüchte mit Äpfeln, Brombeeren, Quitten oder Holunderbeeren, Hagebutten oder Birnen gemischt werden, um den herb-sauren Geschmack abzuschwächen.

Insbesondere die beiden zuletzt genannten Produkte sollen ein ausgezeichnetes Aroma besitzen. Besonders die Früchte der Edeleberesche sind dafür geeignet, daneben gelten diese auch als gute Rohware für Sirup, Süßmost, Muttersaft und Konzentrat. Sie können ebenso als Kompott genossen werden oder im getrockneten Zustand als Ersatz für Weinbeeren dienen. Von größerer Bedeutung ist auch die Herstellung von alkoholischen Getränken wie Vogelbeer-Schnaps, Liköre und Wein, aber auch Wermut. Dazu sollten v.a. Früchte verwendet werden, die erst nach den ersten Frösten geerntet wurden.

Aus den dabei entstehenden Preßrückständen läßt sich auch ein Pro-Vitamin-Extrakt gewinnen, welcher sowohl die Gesundheit fördert, als auch als natürlicher, gelb-oranger Farbstoff eingesetzt werden kann . Auch die Erzeugung weiterer Destillate, z.B. von Kräuterlikör, sowohl aus den Früchten der wilden, als auch der edlen Vogelbeeren, ist bekannt. Sogar als Kaffe-Ersatz sind Vogelbeeren einsetzbar, und Vogelbeerbrannntwein gilt als wichtiger Zusatz für den russischen Wodka.

Auch Nektar und Essig lassen sich aus den Früchten gewinnen. In Rußland werden die Früchte auch zur Zubereitung von Kwaß verwendet. Schließlich lassen sich die getrockneten Früchte auch als wertvolles Vogelfutter einsetzen. Weiterhin ist auch die Verwendung getrockneter Früchte als Dörrobst und für Tees bekannt.

Das für die Lebensmittelindustrie wichtigste Erzeugnis, das aus den Früchten der Kultursorten hergestellt wird, ist das Konzentrat. Dieses Produkt hat sich bei klinischen Untersuchungen bei der Ernährung von Säuglingen bewährt. Es kann jedoch auch gut als Ersatz für Zitronen oder Essig in der Küche oder bei der Herstellung von Süßwaren oder Limonade angewandt werden.

Wie bereits erwähnt, sind die Früchte der wilden Eberesche wegen der enthaltenen Parasorbinsäure nicht zum Frischverzehr geeignet. Erst durch Kochen kann bei solchen Früchten der bittere Geschmack abgeschwächt werden. Zur Befreiung der Früchte von bitter schmeckenden Stoffen sollten sie dabei von den Stielen befreit, gewaschen und dann zweimal mit kochendem Wasser übergossen werden. Dafür können sie auch in Essigwasser eingelegt und nach einer Dauer von 24 Stunden mit frischem Wasser sauber abgewaschen werden.

Weil die Edelebereschen keine Bitterstoffe und dafür mehr Zucker enthalten, sollten sie bei der Verwertung der Früchte durch die Lebensmittelindustrie der wilden Eberesche vorgezogen werden, um eine höhere Ausbeute und ein besseres Aroma zu erreichen. Vor der Verarbeitung der Früchte müssen die Fruchtstände auf jeden Fall entstielt werden.

Die Verwendung der Ebereschenfrüchte zum Brennen wird v.a. in Österreich praktiziert, wo die Herstellung von Vogelbeer-Schnaps eine lange Tradition hat. Das dabei gewonnene, würzige Aroma soll an Kräuterliköre und -destillate erinnern. Es ist dabei bei der wilden Vogelbeere ein Ertrag von 2,7 l reinen Alkohol je 100 l Maische zu erwarten und bei der Edeleberesche ein solcher von 4,5 l/100 l Maische. Zur Herstellung von Destillaten sind generell die Früchte der Kultursorten besser verwendbar als die der eigentlichen Art, da sie mehr vergärbaren Zucker beinhalten und ihnen die für die Gärung hinderliche Parasorbinsäure fehlt. Werden dagegen die Früchte der wilden Eberesche vergoren, so kann diese Säure als natürlicher Konservierungsstoff bewirken, daß die Gärung schon vorzeitig aufhört.

Daneben lassen sich auch Vogelbeergeiste herstellen, welche aus reinem Alkohol gewonnen werden. Ebenso können Korn- oder Kernobstbrände für die Erzeugung von Vogelbeer-Spirituosen eingesetzt werden. Hierfür sind auch wilde Vogelbeeren geeignet, wobei aber die Früchte der Edeleberesche diesen auch dafür vorzuziehen sind. Es dürfen nur Früchte verwendet werden, welche frei von Pilzbefall, „vogelreif“ und entstielt sind (Bartels et. al. 1997 b).

Von größerer Bedeutung ist auch die Herstellung von Vogelbeer-Marmelade, wozu sich die Sorte ´Edulis´ besonders gut eignet.

Sorten

Süße Eberesche (syn. Eßbare oder Mährische Eberesche):

Diese Variante des Vogelbeerbaums ist frei von Bitterstoffen und wurde – wie bereits erwähnt – schon um 1810 in der Umgebung von Spornhau im Altvatergebirge entdeckt. Daraus entstanden später einige Kultursorten durch Selektion. Botanisch gesehen wird sie heute als Sorte der Eberesche angesehen (S. aucuparia ´Edulis´), früher galt sie auch als eigene Unterart von dieser (S. aucuparia ssp. moravica). In manchen Quellen wird sie mitunter als Varietät S. aucuparia var. edulis oder gar als eigene Art Sorbus moravica bezeichnet. Sie ist als Wildobstgehölz auch im Garten der wilden Eberesche vorzuziehen.

Vom Aussehen her unterscheidet sich die essbare Eberesche kaum von der Gemeinen Eberesche. Die Blätter sind jedoch eindeutig größer, dunkler grün und runzeliger als diejenigen der Wildform. Auch die Fruchtstände sind erheblich breiter als bei dieser bei einem Umfang. Die bis zu 1 cm großen, kleinen Kernäpfel schmecken sauer, aber nicht bitter. Sie sind von oranger Farbe und enthalten viel Vitamine. So beträgt deren Vitamin-C-Gehalt 60 – 110 mg je 100 g genießbarer Fruchtanteil, der Carotin-Gehalt wird mit 2,5 mg je 100 g genießbarem Fruchtanteil angegeben. Neben Gerbstoffen und organischen Säuren kommt auch Sorbit reichlich vor bei einem Anteil von 8,5 % am eßbaren Fruchtanteil.

Weitere Inhaltsstoffe, die in größerer Menge enthalten sind, wären Vitamin-P-aktive Stoffe und Apfelsäure (Albrecht 1996). Der aus den Früchten gewonnene Saft enthält in einem Liter 71 – 80 g Zucker. Wenn dieser vergoren wird, so ist mit einer Alkoholausbeute von 4,70 l reinem Alkohol je 100 l Maische zu rechnen (Albrecht et. al. 1993). Das Aroma der Früchte erinnert an Preiselbeeren. Der Ertrag liegt bei 25 – 40 kg/Baum. Weil die Süße Eberesche aus einem Mittelgebirge entstammt, erträgt sie sogar noch mehr Frost als die normale Eberesche. Sie ist auch für Böden mit höheren pH-Werte gut geeignet und ist so eine trockenresistente Pflanze, die wenig Wasser braucht um gut zu wachsen.

´Burka´

Diese russische Sorte ist kein Abkömmling von ´Edulis´ , wie z.B. die Sorten ´Rosina´ und ´Konzentra´, sondern sie stellt eine Kreuzung aus Sorbus aucuparia (Eberesche) und Aronia melanocarpa (Apfelbeere) dar. Das Besondere an ihr ist, daß sie sich schon als junge Pflanze strauchartig entwickelt. Nach den Ergebnissen eines in Dresden-Pillnitz durchgeführten Versuchs zum Vergleich der Anbaueignung verschiedener Ebereschensorten erreichte sie erst im siebten Standjahr einen einigermaßen befriedigenden Ertrag.

Im Vorjahr lag dieser jedoch unter 1 kg/Baum und war damit im Vergleich zu dem der anbaulich sehr bedeutungsvollen Sorte ´Rosina´ recht gering. Dagegen zeichnet sich ´Burka´ dadurch aus, daß selbst bei einer erst spät erfolgten Ernte die Saftausbeute ziemlich hoch ist. Auch die schwarzrote Farbe des Fruchtsaftes ist ein typisches Kennzeichen dieser Sorte; dieser kann auch gut zu Gelee verarbeitet werden.

´Granataja´

Auch diese Sorte entstand in Rußland durch Kreuzung. Allerdings war der Kreuzungspartner von Sorbus aucuparia dabei nicht Aronia melanocarpa, sondern Crataegus sanguinea. Mit ´Burka´ hat sie jedoch gemeinsam, daß sie schon von Anfang an sich als Strauch entwickelt.

Als russische Sorte erreichte auch sie im oben genannten Versuch im sechsten Standjahr nicht einmal einen Ertrag von 1 kg/Pflanze. Im nächsten Jahr dagegen war auch bei ihr der Ertrag befriedigend. Dafür ist auch bei ihr die Saftausbeute selbst bei spät durchgeführter Ernte als recht hoch anzusehen. Der Saft ist jedoch im Gegensatz zu dem von ´Burka´ mehr rubinrot. Das Gewicht der einzelnen Fruchtstände lag bei ´Granataja´ in etwa bei nur 20 g/Dolde, dafür war bei ihr das Einzelfruchtgewicht deutlich höher als bei der häufig angebauten Sorte ´Rosina´. Der Saft eignet sich ebenso wie der von ´Burka´ bestens zur Herstellung von Gelee.

´Konzentra´

Die Sorte ´Konzentra´ wurde schon 1946 als Straßenbaum an der Landstraße von Königswald nach Annaburg entdeckt und anschließend am Institut für Gartenbau Dresden-Pillnitz selektiert. 1954 wurde sie dann in der ehemaligen DDR als Sorte veröffentlicht.

Diese stark wachsende Sorte weist zunächst steil nach oben strebende Leitäste auf, später neigen diese sich etwas nach außen. Durch die stark geförderte Stammverlängerung wirkt die schmal pyramidale Krone stark aufstrebend. Die Triebe sind dabei kräftiger als bei der Sorte ´Rosina´.

´Konzentra´ zeichnet sich aus durch regelmäßige, hohe Erträge. Die Früchte sind wie die Dolden nur klein bis mittelgroß, die Fruchtfarbe ist trüb rötlich orange, die Fruchtschale dick und fest. Das trüb gelblichorange Fruchtfleisch schmeckt etwas sauer, das Aroma ist nur schwach ausgeprägt. 100 g Fruchtsaft enthalten 60 mg Vitamin C. In den Früchten selbst liegt dieser Gehalt bei 220 mg/100 g Fruchtfleisch .

Er ist damit mehr als doppelt so hoch wie bei ´Rosina´. Die Früchte lassen sich gut transportieren und sind bei der Fruchtverwertung gut einsetzbar, v.a. bei der Herstellung von Säften und Konzentraten mit einem hohen Gehalt an Vitaminen durch die Lebensmittelindustrie.

´Konzentra´ ist hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit recht anspruchslos. Besonders gut geeignet ist sie für frische, humusreiche und mit genügend Bodenfeuchtigkeit versorgte Böden. An Holz und Blüten konnten bislang keine Frostschäden beobachtet werden.

In den neuen Bundesländern galt ´Konzentra´ lange Zeit als Hauptsorte im Anbau von Vogelbeeren. Auch sonst kann sie im allgemeinen für den erwerbsmäßigen Anbau empfohlen werden, besonders für Vorgebirgslagen. Vor allem für den großflächigen Anbau zur Fruchtverwertung durch die Lebensmittelindustrie ist sie gut geeignet. Daneben eignet sie sich auch zur Verwendung als Obstgehölz in größeren Hausgärten.

´Rosina´

Diese Sorte gilt als die bekannteste Ebereschensorte. Sie wurde ebenfalls durch Zufall 1946 als Straßenbaum im sächsischen Sebnitz entdeckt. Nach beendeter Selektion am Institut für Gartenbau Dresden-Pillnitz wurde ´Rosina´ 1954 in der ehemaligen DDR als Sorte zugelassen.

Die Sorte wächst mittelstark mit steil nach oben gerichteten Leitästen. Die Kronenform ist dadurch zunächst breit-pyramidal. Später ändert sich das, wenn sich die Leitäste durch das Gewicht der Früchte bogenförmig nach außen biegen. ´Rosina´ kann auch als kleinkroniger Baum durch Veredlung auf Sorbus intermedia erzogen werden und braucht einen jährlichen Rück- und Formschnitt, damit die Fruchtqualität verbessert wird.

Die Blüten- und Fruchtstände sind jedoch recht groß, die Früchte sogar groß bis sehr groß und trüb orange bis trüb rötlich-orange gefärbt. So liegt das Doldengewicht bei ´Rosina´ nach den Erfahrungen aus den in Dresden-Pillnitz durchgeführten Untersuchungen bei ca. 200 g/Dolde; dagegen erreichten die Dolden von ´Granataja´ und Burka´ nur ein Zehntel dieses Werts. Dafür lag das Gewicht der Einzelfrüchte von ´Rosina´ deutlich unter dem von diesen beiden Sorten.

Das Fruchtfleisch ist hell gelblichorange und von intensivem, angenehm süßsäuerlichen Aroma. Die Ernte sollte von Mitte bis Ende September erfolgen. Der Vitamin-C-Gehalt schwankt je nachdem, wann die Früchte geerntet werden, zwischen 69 und 113 mg/100 g Fruchtgewicht. Im Fruchtsaft beträgt dieser nur ca. 30 mg/100 g Saft. Im Sortenversuch von Dresden-Pillnitz fiel ´Rosina´ auch durch einen relativ hohen Gehalt an Zitronensäure auf, der deutlich höher war als bei den russischen Sorten.

Die Früchte sind für den Transport gut geeignet und lassen sich gut verarbeiten zu allen möglichen Produkten, v.a. aber eignen sie sich aufgrund ihrer Größe und des niedrigen Gehalts an Fruchtsäuren in Form ganzer Früchte zur Herstellung von Kompott oder zum Kandieren. Zum Schnapsbrennen eignet sich ´Rosina´ jedoch aufgrund dieses geringen Säuregehalts und des nicht gerade hohen Vitamin-C-Gehalts nicht so sehr.

Gemäß den Versuchsergebnissen von Dresden-Pillnitz sollten die Früchte für die Fruchtsaftherstellung auch nicht zu spät geerntet werden, weil sie zwar langsam, aber schon früh beginnend immer mehliger werden, wodurch sich die Saftausbeute konsequent verringert.

Die Erträge werden als regelmäßig und hoch angesehen und setzen auch früh ein. Der Flächenertrag liegt bei ca. 120 dt/ha. Er ist deutlich höher als bei ´Konzentra´. Nach den Ergebnissen des Versuchs von Dresden-Pillnitz wurde bei ´Rosina´ schon im sechsten Standjahr ein Ertrag von 8 kg/Baum gemessen, womit sie deutlich besser abschnitt als die ebenfalls untersuchten russischen Sorten.

Der Boden sollte humos, frisch und genügend feucht sein. Frostschäden an Holz oder Blüten sind bisher noch nicht aufgetreten.

Anbauliche Bedeutung: ´Rosina´ wird in den neuen Bundesländern schon seit langem erwerbsmäßig angebaut. Sie ist zwar für den großflächigen Anbau zur Fruchtverarbeitung weniger geeignet als beispielsweise ´Konzentra´, kann diese Sorte aber gut ergänzen, insbesondere beim Anbau in Vorgebirgslagen. Im erwerbsmäßigen Anbau wird sie heute sehr wegen des günstigen Wuchses und der hohen Erträge sehr geschätzt (Augustin 2000 b). Auch für eine Pflanzung an Wege, Straßen oder in größere Gärten ist sie gut geeignet.

´Rossica´ und ´Rossica Major´

Diese beiden Sorten entstanden im Gebiet der heutigen GUS. 1898 bzw. 1903 tauchten sie deutschlandweit zum ersten Mal in der Baumschule Späth in Berlin auf. Weil sich beide Sorten kaum von einander unterscheiden, wurden sie vom Dendrologen Alfred Rehder zur Varietät Sorbus aucuparia var. rossica zusammengefaßt.

Dadurch werden auch heute noch ´Rossica´ und ´Rossica Major´ kaum als eigenständige Sorten betrachtet. Von weitem betrachtet sind sich die beiden Sorten schließlich auch recht ähnlich, denn sie werden beide 8 – 12 m hoch und die Krone ist in beiden Fällen eiförmig und geschlossen. Doch bei genauerer Betrachtung der Blätter fällt auf, daß bei ´Rossica Major´ Blattspindel und Blattstiel stets tief rot sind und im Herbst zuerst gelb, dann aber purpurrot gefärbt sind, während ´Rossica´ in diesen Merkmalen mehr der eigentlichen Art gleicht. Außerdem trägt ´Rossica Major´ ca. 1,5 cm dicke Früchte.

Für den Wildobstanbau sind jedoch beide Sorten nahezu gleich interessant, da sie beide große, eßbare Früchte liefern. In Rußland werden diese als „Neschinskaja“, bezeichnet, dort werden sie als Frischobst verwendet oder verarbeitet. Ihr Gehalt an Vitamin C liegt bei 69 – 113 mg.

´Titan´

Diese russische Sorte entstand wahrscheinlich wie ´Granataja´ durch Kreuzung von Sorbus aucuparia mit Crataegus sanguinea. Wie die Sorten ´Burka´ und ´Granataja´, so entwickelt sich auch die Sorte ´Titan´ von Anfang an als Strauch. Neben ´Rosina´ bildet sie die mit Abstand größte Krone.

Nach dem Sortenversuch von Dresden-Pillnitz erreichte sie im sechsten Standjahr einen Ertrag von nicht einmal 1 kg/Baum, was recht wenig ist. Erst im nächsten Jahr war der Ertrag einigermaßen befriedigend. Auch das Doldengewicht ist nach diesem Versuch mit ca. 20 g/Dolde nicht besonders hoch. Dafür sind das Gewicht der einzelnen Frucht und die Saftausbeute recht hoch.

Sorbus domestica – Speierling

Ursprünglich war der Speierling von Südwest- bis nach Südosteuropa, von Kleinasien bis zur Krim und nach Transkaukasien und in Nordalgerien verbreitet. Heute existieren in der ursprünglichen Heimat nur noch isolierte Vorkommen auf der Krim und am Schwarzen Meer, dagegen ist diese submediterrane Pflanze in Mittel- und Südosteuropa häufiger zu finden, v.a. am Balkan und in den Mittelmeerländern. Auch an der Südküste von Wales ist der Speierling verbreitet.

In Mitteleuropa kommt er zwar in Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien, in der Schweiz und in der Slowakei vor, doch überall dort nur sehr selten und in all diesen Ländern ist er eine gefährdete Pflanze. Die meisten Speierlingsvorkommen Deutschlands befinden sich dabei mit 43 % in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg mit 24 %, die nördlichsten Exemplare sind in Sachsen-Anhalt zu finden.

Vor allem im Weinbauklima des Rhein-Main-Gebiets fühlt er sich wohl, jedoch existieren auch dort keine Reinbestände. In Österreich ist dieses Gehölz v.a. im Burgenland vertreten, daneben auch in Wien, Niederösterreich und der Steiermark. Im östlichen Österreich sind Speierlinge auch hin und wieder in der Nähe von Weinanlagen, in Streuobstbeständen und alten Obstgärten als großkronige Einzelbäume zu finden.

Geschichte des Anbaus des Speierlings und aktuelle Entwicklungen

Schon die altertümlichen Griechen und Römer wußten den Speierling als Obst zu nutzen und pflanzten ihn auch an, um seine Früchte besser nutzen zu können. Spätestens seit dem 9. Jahrhundert wurde der Speierling auch in Mitteleuropa angebaut, was in Deutschland v.a. in den Weinbaugegenden Südwestdeutschlands geschah.

Später wurde der Speierling von anderen Obstarten verdrängt, so daß er derzeit kaum noch obstbaulich genutzt oder gepflanzt wird. Selbst in der freien Natur ist diese Pflanze auf dem Rückzug, an manchen Orten verschwand sie völlig. Es werden jedoch derzeit große Bestrebungen unternommen, daß der Speierling nicht gänzlich aus der Landschaft verschwindet.

Zur heutigen Zeit kann man dieses Gehölz vereinzelt in wärmeren Eichenmischwäldern als auch in Parks, Privatgärten und in alten Obstanlagen auffinden. Im Jahre 1993 wurde der Speierling zum Baum des Jahres gekürt, wodurch er in der Öffentlichkeit wieder bekannter wurde. Dies hat auch dazu geführt, dass seitdem wieder zahlreiche junge Exemplare als familiären Hausbaum dieser bedrohten Wildobstart angepflanzt wurden.

Die Früchte werden hauptsächlich in Hessen noch verwertet, wo in der Natur noch um die 300 alte Speierlinge anzutreffen sind. Dort werden sie v.a. zur Schönung von Apfelmost verwendet, doch auch Speierlingsbrände lassen sich als Spezialität gut absetzen.

Auch die anderen, aus den Speierlingsfrüchten herstellbaren Erzeugnisse sind gegenwärtig als Nischenprodukte anzusehen, die sich derzeit bei einem Absatz in kleinen Mengen durchaus gut verkaufen ließen. Gegenwärtig wird diese Wildobstart jedoch kaum erwerbsmäßig angebaut, da sie nur zögerlich wächst, erst spät Früchte ansetzt und darüber hinaus auch noch anfällig für Feuerbrand ist. Bei der Erzeugung von alkoholischen Getränken werden deshalb weiterhin die Früchte hauptsächlich von den in der freien Natur noch vorhandenen Bäumen gesammelt.

Weil der Speierling kaum obstbaulich genutzt wird, fehlen derzeit auch aktuelle Angaben zur Durchführung der Pflanzung, zu möglichen Anbausystemen, zu erforderlichen Schnittmaßnahmen und zu weiteren Kulturarbeiten. Es ist zur Zeit noch ungewiß, ob der Speierling überhaupt für den Intensivanbau geeignet ist.

Bislang wurde er auch noch nicht züchterisch bearbeitet. Bei der Registrierung der österreichischen Speierlingsbestände fielen jedoch Fruchttypen auf, die auch für den Obstbau interessant wären. An der HBLA/BA für Wein- und Obstbau im österreichischen Klosterneuburg gibt es bereits Pläne, diese Typen zusammen mit deutschen Selektionen aus Veitshöchheim in einer Anlage zu sammeln. Zu diesem Zweck wurden 1999 von 42 Bäumen aus Wien, aus dem Burgenland und aus Niederösterreich Edelreiser entnommen und auf wilden Speierling veredelt. Diese Sammlung wird derzeit jedes Jahr erweitert und ergänzt.

Erscheinungsbild

Der Speierling wächst zwar recht langsam, doch erreicht er von allen einheimischen Sorbus-Arten die größte Höhe. Hierbei wird er im Freistand nicht selten 12 – 15 m hoch und erreicht dabei einen Stammdurchmesser von mehr als 1 m, wohingegen er als Waldbaum auch bis zu 30 m hoch werden kann. Solche Großbäume weisen i.d.R. eine breite Krone auf. Von den Blättern her ähnelt er der Eberesche, denn auch sie sind unpaarig gefiedert, wobei sie sich aus 11 – 21 gegenständig angeordneten Fiederblättern zusammensetzen.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die an älteren Bäumen rauhe, birnbaumähnliche Rinde, junge Speierlinge sind auch gut an den klebrigen und grünen Endknospen erkennbar. Die weißen bis z.T. auch leicht rosa gefärbten Blüten treten von April bis Mai in Erscheinung in rispigen Trugdolden. Diese setzen sich aus ca. 35 – 75 Einzelblüten zusammen, sind 6 – 10 cm breit und von kegelförmiger Gestalt. Hierbei wandelt sich nur ein Teil der Einzelblüten in Früchte um, so daß eine Fruchtdolde nur aus 3 – 10, manchmal aber auch aus bis zu 20 Früchten gebildet wird. Von September bis Oktober werden dann die Früchte reif.

Diese Scheinfrüchte werden 15 – 25 mm, manchmal auch 4 mm groß. Nach den neuesten, an 32 österreichischen Speierlingsbäumen durchgeführten Untersuchungen liegt das Gewicht der einzelnen Frucht je nach Baum zwischen 8,0 und 17,8 g, wobei sich ein Durschschnittsgewicht von 11,6 g/Frucht ergibt. Die vom Baum fallenden Früchte weisen eine grüne, gelbgrüne oder auch gelbe Färbung auf, wobei die Sonnenseite meist rot ist. Sie sind im hartreifen Zustand reich an Gerbstoffen, weshalb sie in diesem Reifestadium noch adstringierend wirken, bitter schmecken und somit kaum genießbar sind.

In diesem Reifestadium beträgt der Gerbstoffgehalt 0,7 – 0,25 %. Darüber hinaus sind die Früchte v.a. reich an organischen Säuren, insbesondere Apfelsäure, und an Vitamin C mit ca. 40 mg/100 g Frucht. Daneben weisen die Früchte im überreifen Zustand einen Extraktgehalt von 100 – 130° Oechsle auf. Erst im überreifen Zustand, wenn die Farbe nach braun umschlägt, der Gerbstoffgehalt absinkt und das Fruchtfleisch teigig wird, sind sie zum Verzehr geeignet.

Anleitungen zur Kultur des Speierlings

Standortansprüche

Der Speierling bevorzugt warme, mäßig trockene, nährstoffreiche und überwiegend kalkhaltige Böden. Am günstigsten wäre ein heller, sonniger Standort, doch auch im Halbschatten kommt dieses Gehölz noch einigermaßen zurecht. Der Boden sollte auch gut durchlüftet sein.

Der Anbau sollte v.a. in wärmeren Gegenden stattfinden, denn in kalten Polarwintern können ganze Pflanzen dem Frost zum Opfer fallen. Außerhalb davon sollte der Speierling in südexponierten Hanglagen gepflanzt werden . Kurzzeitige Trockenheit ist dagegen weniger schädlich, da dieses Wildobstgehölz durch seine Faserwurzeln auch das Wasser in den tieferen Bodenschichten noch nutzen kann. Der Boden sollte auch tiefgründig sein, wobei die Bodenart nicht so wesentlich ist.

So werden zwar lehmige, tonige und Böden auf Kalkgestein bevorzugt, doch auch auf Silikatböden kommt der Speierling noch gut zurecht. Gegebenenfalls sollte lehmiger Boden noch verbessert werden um die Wuchsqualität zu erhöhen.

Vermehrung

Der Speierling läßt sich nur mühsam durch Aussaat vermehren, weshalb er auch nicht so oft im Angebot von Baumschulen zu finden ist. So müssen die Samen zuerst einmal stratifiziert werden, damit sie überhaupt keimen. Hierbei sollte die Kultur im Container bevorzugt werden, weil der Speierling Eingriffe ins Wurzelsystem nicht sehr gut verträgt. Auch Rückschnitt ist für ihn sehr schädlich, und als Jungpflanze bevorzugt er einen halbschattigen Standort.

Nach der Keimung bereitet insbesondere der Schorfpilz Venturia inaequalis oft große Probleme, der auch im Apfelanbau als Apfelschorf wohl bekannt ist. Dieser kann bei jungen Pflanzen Totalausfälle verursachen, indem er sich auf Blättern und Trieben ausbreitet. Solche Sämlingspflanzen sind v.a. bei der Verwendung als Haus- oder Parkbaum oder bei der Pflanzung in der freien Landschaft von Vorteil, da sie besonders alt werden können und sich schöner entwickeln als durch Veredlung vermehrte Pflanzen. Diese eignen sich jedoch für die Verwendung als Obstgehölz besser, da sie sich zwar gelegentlich nicht so gut entwickeln, aber dafür frühere Erträge bringen .

Als Veredlungsunterlage eignet sich nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen insbesondere der Speierling selbst, auch Weißdorn oder Quitte sollen als Unterlage verwendbar sein. Nach den an der österreichischen HBLA/BA für Wein- und Obstbau gemachten Erfahrungen läßt sich der Speierling sowohl durch Okulation im Sommer auf 2 – 3 jährige Speierlingsunterlagen, als auch durch Winterhandveredlung in Form einer Kopulation vermehren. Bei der Aufveredlung von Edelreisern, welche von alten Bäumen mit großer Krone gewonnen werden, bietet sich v.a. das Chip-Budding als Veredlungsmethode an, da hier die Kopulation durch die kaum noch vorhandenen Langtriebe fast gar nicht mehr möglich ist.

Pflanzung

Derzeit werden kaum Speierlinge als Obstgehölz in größeren Mengen gepflanzt, weshalb aktuelle Aussagen über wichtige Daten wie optimale Pflanzenzahl/ha, optimaler Reihenabstand und optimaler Abstand in der Reihe bislang fehlen aus Mangel an Erfahrungen. Aus der Verwendung als Gartengehölz und aus bei Maßnahmen der Landschaftspflege gemachten Erfahrungen ist bekannt, daß ein einzelner Speierlingsbaum einen Standraum von ca. 150 m² braucht, um sich gut entwickeln zu können.

Nach etwa 10 – 20 Jahren ist mit ersten Erträgen zu rechnen. Bei der Pflanzung sollten die Pflanzen möglichst jung sein, weil sie sich mit zunehmendem Alter immer schlechter verpflanzen lassen. Daneben ist die Pflanzung als Hochstamm nicht immer sinnvoll, weil der Speierling schon von Natur aus hin und wieder als Strauch auftritt, was für Obstanlagen evtl. sogar günstiger wäre.

Erziehung und Schnitt

Zu diesem Thema liegen noch keine genaueren Angaben vor. Es ist aber bekannt, daß der Schnitt nicht zu radikal erfolgen sollte, weil sich dann der Ertragsbeginn nur noch mehr verzögert. Weitere Pflegemaßnahmen sollen nicht erforderlich sein, solange der Standort paßt und den Bäumen ein genügend großer Standraum für eine gute Entwicklung zugewiesen wurde.

Pflanzenschutz

Der Speierling wird v.a. als Jungpflanze stark von Schädlingen und Krankheitserregern bedroht, wobei – wie schon im Abschnitt Vermehrung erwähnt – für die Baumschulen der Schorfpilz (Venturia inaequalis) am wichtigsten ist. Auch an alten Speierlingsbäumen kann er immer wieder an Blättern und Früchten beobachtet werden. Hierbei kann der Pilz zwar die Fruchtqualität vermindern und die Blätter frühzeitig abfallen lassen, aber im Großen und Ganzen fügt er alten Exemplaren keine allzu großen Schäden zu.

Weiterhin können in Baumschulen noch weitere Pilzkrankheiten auftreten, welche v.a. ein Umfallen der Jungpflanzen bewirken können. In letzter Zeit wurde an diesen öfters auch Rindenkrebs beobachtet, welcher von Nectria galligena ausgelöst wird und bei jungen Bäumen deren Absterben bewirken kann. An älteren Bäumen können verschiedene Ständerpilze auch Stammfäulen verursachen. Darüber hinaus wird der Speierling – wie andere Sorbus-Arten auch – vom Feuerbrand (Erwinia amylovora) mehr oder minder akut bedroht. Von den tierischen Schädlingen sind besonders die Mäuse zu erwähnen, die v.a. in der Baumschule Schäden verursachen können, indem sie Samen auffressen oder an Jungpflanzen ihre Fraßspuren hinterlassen.

Ernte und Erträge

Für die Verwendung als Zusatz zum hessischen Apfelmost „Frankfurter Äppelwoi“ werden die Früchte immer noch im unreifen Zustand mühsam von Hand gepflückt. In diesem Reifestadium helfen sie, die Gärung zu regulieren und das Eiweiß zu fällen. Daneben wirken die enthaltenen Gerbstoffe auch konservierend. Für die Herstellung von Bränden sind diese jedoch nicht so gut, deshalb sollten die Früchte dafür weich, vollreif und süß sein.

Diese lassen sich deutlich einfacher ernten, denn es wird lediglich abgewartet, bis die Früchte nach den ersten Frösten von selbst herunterfallen, was von Ende August bis Ende Oktober geschieht, hauptsächlich aber Mitte September. Der Fruchtfall kann hierbei zwei bis vier Wochen dauern. Das Fallobst kann dann auf Tüchern aufgefangen werden, die zuvor unter den Bäumen ausgebreitet wurden. Auch die Ernte durch Schütteln ist dabei möglich. Daneben kann die Vollreife auch durch Nachreifen bei Lagerung erreicht werden. Somit ergeben sich bei manchen alten Speierlingsbäumen in günstigen Jahren Erträge von bis zu 8 dt/Baum , wobei diese von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich sein können. Im allgemeinen sind selbst bei alten Bäumen eher Erträge von 300 – 500 kg/Pflanze realistisch.

Jüngere Pflanzen bringen oft nur 15 – 20 kg an Ertrag. Nach den neuesten Erkenntnissen können aus Samen gezogene Speierlinge schon nach 8 Jahren erste Früchte tragen, bei veredelten Pflanzen könnte die ertragslose Zeit sogar noch kürzer sein. Meist setzen die Erträge aber erst viel später ein. Die ertragslose Zeit dagegen nur um die 20 Jahre. Hierbei bilden sich auch an einzeln stehenden Bäumen Früchte in großer Zahl, was auf Selbstfruchtbarkeit schließen läßt. Manche Speierlingsbäume weisen jedoch einen Wechsel von ertragreichen und ertragsarmen Jahren (Alternanz) auf, die meisten setzen sogar nur alle vier Jahre reichlich Früchte an. Die Nachreife von hartreifen Speierlingsfrüchten sollte in luftige, trockenen und kühlen Räumen stattfinden, wobei sie entweder auf den Boden gestellt oder in kleine Steigen gelegt werden. Diese dauert i.d.R. 15 – 20 Tage, in anderen Quellen wird auch eine Nachreifedauer von 1 – 2 Monaten genannt.

Verarbeitung

Im überreifen Zustand sind die Früchte auch für den Frischmarkt geeignet, denn sie schmecken recht gut. Früher wurden sie auch im hartreifen Zustand verzehrt, obwohl sie dann nicht so schmackhaft sind und adstringierend wirken. In Hessen spielt v.a. die Verwendung der gerbstoffreichen Speierlingsfrüchte als Zusatz zum Apfelmost noch eine große Rolle (Kirisits et. al. 2000). Auch die Gewinnung von Speierlingswein durch die Beimengung zu Kernobst bekannt. Hierbei wirken die Früchte des Speierlings durch die enthaltenen Tannine stabilisierend und klärend, auch verbessern sie das Aroma und das Aussehen.

Das Aroma von solchen Fruchtweinen soll herb und recht markant sein und ihnen eine sehr gute Qualität verleihen. Diese konservierende Wirkung wurde früher auch bei der Zubereitung von Fruchtsäften benutzt, indem ihnen Speierlingsfrüchte beigemengt wurden. Auch Edelbrände werden aus diesen Früchten hergestellt. Daneben kann aus den Früchten auch Likör gewonnen werden. Bei der Herstellung von Bränden sollen die Früchte durch Schütteln geerntet werden.

Dieser Brand weist eine recht lange Haltbarkeitsdauer auf und soll durch seinen Gehalt an Gerbstoffen an Tresterbrand erinnern. Sogar Essig ließe sich aus den gerbstoffreichen Scheinfrüchten gewinnen. Weitere Verwendungsmöglichkeiten sind die Verarbeitung zu Konfitüre, Marmelade, Mus oder Gelee, wozu sie auch mit anderen Früchten gemischt werden können. All dies sind gegenwärtig eher Nischenprodukte, die sich aber im kleinen Rahmen möglicherweise gut vermarkten ließen. In Bulgarien werden die Früchte auch oft als Beilage verwendet oder wie Gemüse süßsauer eingelegt. In Rußland werden sie sogar in der Zuckerbäckerei eingesetzt.

Sorten des Speierlings

Schon von Natur aus werden beim Speierling apfel- und birnenfrüchtige Pflanzen unterschieden, wobei die apfelförmigen Früchte größer werden als die anderen. So unterscheidet auch die Beschreibende Sortenliste Wildobst des Bundessortenamts (1999) zwischen der birnenfrüchtigen Form Sorbus domestica f. pyrifera und der apfelfrüchtigen S. domestica f. pomifera. Diese beiden Formen werden in Süddeutschland als Apfel- und Birnensperber genauer bezeichnet.

Hierbei ist die f. pyrifera in der freien Natur wesentlich häufiger zu finden als die f. pomifera. In einzelnen Fällen wurden noch weitere Fruchtvariationen entdeckt, doch sind diese recht selten. Von diesen sollen einige auch für den Obstbau interessant sein.

Seit 1999 befaßt sich die HBLA/BA für Obst- und Weinbau in Klosterneuburg aktiv mit der Sammlung solcher Typen in einer Anlage, wobei auch Selektionen aus dem deutschen Veitshöchheim einbezogen werden. Die ersten Typen wurden bereits erfolgreich veredelt. Die HBLA/BA erhofft sich von dieser Arbeit, zur Erhaltung des Speierlings als Kulturpflanze beizutragen und ihren Anbau zu fördern. Vielleicht werden in ein paar Jahrzehnten schon die ersten Speierlingssorten auf dem Markt erscheinen.

Sorbus torminalis – Elsbeere

Vorkommen: Die Elsbeere ist in Mitteleuropa zwar beheimatet, aber in der freien Natur sehr selten anzutreffen. Hier ist sie v.a. in mittleren, südlichen und westlichen Teil Deutschlands zu finden. Außerhalb von Mitteleuropa zählen auch Süd- und Westeuropa, sowie Kleinasien, Transkaukasien und Nordwestafrika zu ihrem Verbreitungsgebiet.

obstbauliche Bedeutung: In Österreich ist die Verwendung der Früchte zur Gewinnung von Branntwein schon lange bekannt, in Deutschland jedoch nicht so sehr. Dagegen soll dieser um 1909 bereits auch in den Vogesen destilliert worden sein. Im Elsaß ist diese Verwendungsform noch immer bekannt, während sie in Deutschland an Bedeutung verlor. Dort erzielen solche als „Alisier“ deklarierten Brände noch etwas bessere Preise auf dem Markt als Kirschwasser. Es wird jedoch vermutet, daß diese nicht nur aus den Früchten der Elsbeere, sondern v.a. auch aus denen der Gemeinen Mehlbeere (Sorbus aria) gewonnen werden. Derzeit lohnt sich v.a. der Anbau dieser Wildobstart deshalb nicht, weil die Erträge erst recht spät nach frühestens zwölf Jahren einsetzen. Hinzu kommt noch die Empfindlichkeit für Feuerbrand wie auch bei den anderen Vertretern dieser Gattung. Dafür werden Elsbeerbäume wieder verstärkt in Hausgärten und im öffentlichen Grün gepflanzt.

Erscheinungsbild: Die Elsbeere tritt gewöhnlich als mittelhoher Baum von 8 – 15 m Höhe in Erscheinung, mitunter wird sie sogar über 20 m hoch. Gelegentlich ist sie auch als niedriger Strauch zu finden, v.a. auf flachgründigen, felsigen Böden. Als solcher kann die Elsbeere auch durch Ausläuferbildung Dickichte bilden. Die breit-eiförmigen Blätter sind zwar dünn, aber recht derb und ahornartig gelappt. Die reinweißen Blüten zeigen sich von Mai bis Juni in rispenartigen Trugdolden (Bundessortenamt 1999). Die ersten Blüten erscheinen frühestens an zwölfjährigen Pflanzen. Die Früchte sind kaum größer als Erbsen, rötlich-lederbraun und grünlich-weiß gepunktet. Diese „Beeren“ werden von September bis Oktober reif. Sie sind v.a. reich an Gerbstoffen, welche nach und nach abgebaut werden, aber auch Vitamin C, Pektin, Flavonolglycoside und Fruchtsäuren sind in größeren Mengen vorhanden.

Standortansprüche: Die Elsbeere braucht einen möglichst sonnigen, warmen Standort und einen kalkhaltigen, durchlässigen Boden. Sie verträgt zwar Trockenheit sehr gut, gedeiht aber nicht auf trockenen, sandigen oder lehmigen Böden. Diese Sorbus-Art ist auch gegen strenge Fröste durchaus empfindlich und kann auf sie mit Erfrierungen des Holzes reagieren.

Pflanzung: Die Elsbeere ist auch für die Anpflanzung auf Streuobstwiesen geeignet.

Krankheiten und Schädlinge: Wenn die Früchte überreif werden, können auch die Vögel große Schäden anrichten und sogar ganze Bäume innerhalb weniger Stunden restlos abernten.

Ernte: Weil aus den Beeren meist Schnaps hergestellt wird, sollten sie möglichst im vollreifen, bereits leicht teigigen Zustand geerntet werden, weil sie dann nicht mehr so viel Gerbsäure enthalten. Diese ist nach Frosteinwirkung schon zum großen Teil abgebaut. Der optimale Erntezeitpunkt ist dann erreicht, wenn die Früchte schon überreif werden und sich die Vögel für sie zu interessieren beginnen. Dann ist jedoch Eile geboten, denn diese können die Gehölze schnell restlos abernten. Die Ernte wird zu diesem Zweck immer noch von Hand vorgenommen, wobei die Dolden entweder abgeschnitten oder die Früchte abgerupft werden. Diese Arbeit kostet viel Zeit und ist bei großen Bäumen auch gefährlich. Über eine mechanische Ernte z.B. mit Seilschüttlern wird nachgedacht. Diese würde jedoch wegen der folgernden Reife mehrere Male durchgeführt werden müssen.

Erträge: Die Erträge setzen frühestens nach zwölf Jahren ein, mitunter aber auch erst nach 25 – 30 Jahren.

Verwendung: Die Früchte sind erst nach den ersten Frösten teigig, süß-säuerlich schmeckend und damit auch zum Frischverzehr geeignet. In der Küche können die Früchte v.a. als Beimischung zu Obst verwendet werden, welches nicht viel Säure enthält. In dieser Form sind sie zur Zubereitung von Marinaden, Gelee, Kompott, Fruchtsäften und Marmeladen geeignet. Wenn der aus Elsbeeren gewonnene Most zu Obstwein und -most in einem Anteil von nur 1 % zugesetzt wird, so verbessert er deren Haltbarkeit, Aroma, Aussehen und Klärung deutlich. Aus den Früchten der Elsbeere läßt sich ein hervorragender Schnaps gewinnen, welcher in Österreich als „Adlitzbeerwasser“ gut bekannt ist und dort auch hin und wieder als Spezialität angeboten wird.

Weitere Sorbus – Arten

Sorbus aria (Gemeine Mehlbeere)

– Vorkommen: Diese Art ist in Mittel, und Südeuropa, aber auch in England, Skandinavien, dem nördlichen Teil Südosteuropas und in Nordafrika anzutreffen.

– Erscheinungsbild: Die Gemeine Mehlbeere erscheint als Großstrauch oder Baum von 6 – 15 m Höhe, seltener auch bis 20 m Höhe und gehört damit zu den höher wachsenden Sorbus – Arten. Sie wächst allerdings sehr langsam . Die Blätter sind von eiförmiger bis breit-elliptischer Form. Die weißen bis gelblichen Blüten treten von Mai bis Juni in Erscheinung und sind zu Rispendolden zusammengefaßt, die hier aufrecht stehen. Die Früchte werden im Oktober reif. Sie sind dann von kugeliger bis kurzzylindrischer Gestalt, orange bis korallenrot gefärbt, 1,0 – 1,3 cm lang und 1 – 1,5 cm breit. Sie beinhalten v.a. Vitamin C, Pektin, Karotin, Zucker und Fruchtsäuren, von diesen hauptsächlich Apfel-, Zitronen- und Sorbinsäure. Auch Flavonolglycoside sind enthalten, jedoch nicht die Parasorbinsäure. Deshalb sind die Früchte nicht bitter.

– Standortansprüche: Der Boden sollte locker und basisch bis leicht sauer sein, auch auf steinigen Untergründen kann die Gemeine Mehlbeere noch gut wachsen. Sommerwarme Lagen werden bevorzugt. Diese Art ist auch zur Pflanzung in Industriegebieten geeignet.

– Schnitt, Bodenpflege, Düngung: Diese Maßnahmen sind nicht erforderlich.

– Verwendungsmöglichkeiten: Die Früchte sind nach den ersten Frösten weich, süß und damit auch zum Frischverzehr geeignet. Sie können auch gut zur Zubereitung von Kompott verwendet werden, wenn sie mit Sahne und Zucker gemischt werden. In Beimischung zu sauren Früchten eignen sie sich zur Herstellung von Konfitüre, Gelee, Saft, Mus, Wein und Dörrobst.

– Sorten und Formen: Schon von sich aus ist die Gemeine Mehlbeere recht variabel, so daß einige Sorten bekannt sind. Für die obstbauliche Nutzung ist v.a. die Form S. aria f. longifolia interessant, denn sie trägt größere Früchte, welche orange gefärbt und eiförmig sind, sie weisen auch ein gutes Aroma auf. Auch die Sorte ´Majestica´ (bzw. ´Decaisneana´) weist größere Früchte auf, welche aber von ovaler Form und blutrot gefärbt sind.

Sorbus x arnoldiana

Diese Art ist der Gemeinen Eberesche recht ähnlich, in Westeuropa wird sie sogar seit längerer Zeit auch als Wildobst angebaut. Dort wird v.a. den hohen Vitamin-C-Gehalt der Früchte sehr geschätzt, dieser liegt z.T. bei über 1500 mg/100 g Frischsubstanz. Auch der Gehalt an Sorbit ist wie bei der Gewöhnlichen Eberesche recht hoch. Sie stellt die Ausgangsform der sogenannten Lombard-Hybriden dar, die eigentlich mehr als Ziersorten mit z.T. auch weiß bis rosa gefärbten Früchten bedeutungsvoll sind (z.B. ´Kirsten Pink´, ´Red Tip´). Einige Sorten sind jedoch auch für die Nutzung als Wildobst interessant. Diese sind v.a. folgende:

´Apricot Queen´ bildet schnell 8 – 12 m hohe Bäume mit schmal-eiförmiger Kronenform. Die großen Fruchtstände bestehen aus dicken, orangegelben Früchten. Diese Sorte ließe sich auch gut obstbaulich nutzen, da die kleinen Kernäpfel gut zu genießen sind und mit 158,5 mg/100 g Frucht einen beachtlich hohen Vitamin-C-Gehalt aufweisen.

´Brilliant Yellow´ wird ebenfalls als Kultursorte für den Wildobstanbau genannt. Sie enthält zwar in den Früchten nur wenig Bitterstoffe, doch sie bringt keine so hohen Erträge wie beispielsweise ´Rosina´. Dafür zeichnet sie sich durch einen robusten Wuchs aus.

´Golden Wonder´ tritt – anders als z.B. ´Apricot Queen´ – oft auch als breitkegelförmiger Großstrauch in Erscheinung, nicht nur als Kleinbaum. Die Sorte erreicht eine Höhe von 7 – 12 m. Die Fruchtfarbe ist ockergelb mit einem leichten Hauch von orange. Die Früchte werden schon im August reif. Auch diese Sorte läßt sich im Anbau von Wildobst verwenden, da ihre Früchte arm an Bitterstoffen sind und die Sorte recht robust ist, doch auch sie bringt keine allzu hohen Erträge.

Sorbus chamaemespilus – Zwerg-Mehlbeere

Die Zwerg-Mehlbeere wächst eher langsam und strauchförmig. Sie bringt kugelige bis eiförmige, braunrot gefärbte Früchte hervor. Deren Fruchtfleisch ist frei von Steinzellen und schmeckt herb (Bundessortenamt 1999).

Sorbus x hybrida

Diese Art ist fast ausschließlich als Ziersorte ´Gibbsii´ anzutreffen, welche als Finnland-Mehlbeere bezeichnet wird und öfter als Ziergehölz auftaucht. Es handelt sich dabei um einen kleinen Baum von nur 5 – 7 m Höhe bei einer Kronenbreite von 3 – 4 m. Die Früchte sind fast so groß wie Kirschen, ab August dunkelrot gefärbt und bleiben lange haften.

Sorbus intermedia (Schwedische Mehlbeere)

– Vorkommen: Diese nahe Verwandte der Gemeinen Mehlbeere ist in Skandinavien, in den baltischen Ländern und in Deutschland v.a. in der Mitte anzutreffen, kaum noch in Norddeutschland.

– Erscheinungsbild: Wie die Gemeine Mehlbeere, so wird auch die Schwedische Mehlbeere bis zu 15 m hoch, meist jedoch nur bis 10 m. Die Krone ist oval bis z.T. auch kugelig und dicht verzweigt. Die wechselständigen Blätter ähneln von weitem betrachtet denen von Sorbus aria, sie sind aber länglich-elliptisch und mit Kerben versehen, welche das Blatt in seiner unteren Hälfte fast aufspalten in Fiederblätter. Die Einzelblüten sitzen in endständigen Schirmrispen, sie sind immer weiß und niemals gelblich. Die Blütezeit umfaßt auch hier wieder die Monate Mai und Juni. Die Früchte sind eiförmig bis kugelig, scharlach- bis orangerot gefärbt und 1,0 – 1,2 cm groß. Sie werden von September bis Oktober reif und weisen ein gelbliches Fruchtfleisch ohne Steinzellen auf. Die Früchte enthalten reichlich Vitamin C, Gerbstoffe, Pektin, Flavonoglycoside, sowie Zitronen- und Apfelsäure, aber keine Parasorbinsäure. Deshalb schmecken sie nicht bitter.

– Standortansprüche: Die Schwedische Mehlbeere bevorzugt frische, alkalische bis schwachsaure und sandige bis lehmige Böden, sie verträgt Hitze, Wind und große Kälte. Der Standort kann sonnig bis lichtschattig sein.

– Pflanzenschutz: Diese Mehlbeerart wird kaum von Krankheitserregern oder Schädlingen befallen.

– Verwendungsmöglichkeiten: Nach den ersten Frösten werden die Gerbstoffe abgebaut, so daß die Früchte dann süß-säuerlich schmecken und auch roh verzehrt werden können. Sie können auch gut als Beimischung zu säurearmen Früchten zur Zubereitung von Fruchtsäften, Marmelade und Gelee verwendet werden.

– Sorten: Die niederländische Sorte ´Brouwers´ wurde 1956 vom gleichnamigen Züchter ausgelesen und zeigt sich als streng aufrecht wachsender Baum von bis zu 10 m Höhe mit durchgehender Stammverlängerung, die Krone ist kegelförmig. Diese Sorte verträgt viel Wind und findet gelegentlich als Straßenbaum Verwendung.

Sorbus x latifolia – Rundblättrige Mehlbeere

Die Rundblättrige Mehlbeere trägt große, gelbbraune und schwarz gepunktete Früchte, welche ein angenehm mild säuerliches Aroma aufweisen. Deshalb sind sie auch zur Weinherstellung geeignet. Von dieser Art ist in Italien die Sorte ´Baccarella´ verbreitet, welche besonders große Früchte aufweist. Es sind noch andere Sorten bekannt wie die sehr windfeste und 8 – 10 m hohe ´Atrovirens´ und die 8 – 12 m hohe Sorte ´Hunk Vink´.

Sorbus mougeotii – Berg-Mehlbeere bzw. Mougeots Mehlbeere

– Vorkommen: Diese Mehlbeerart ist v.a. in den Bergen Süd- und Mitteleuropas anzutreffen.

– Erscheinungsbild: Hierbei handelt es sich um einen bis zu 20 m hohen, aber langsam wachsenden Baum mit eiförmiger bis ovaler Krone. In höheren Lagen tritt die Berg-Mehlbeere auch als 4 – 8 m hoher Strauch auf. Die Blätter sind hier breit-elliptisch, ledrig-derb und mit Lappen versehen. Im Juni treten weiße Blüten in Erscheinung, welche zu Trugdolden zusammengefaßt sind. Diese duften streng und sind selbstfruchtbar. Die kugeligen Früchte sind 13 – 15 mm dick, rot gefärbt und werden von September bis Oktober reif. Die Inhaltsstoffe sind dieselben wie bei den anderen Mehlbeeren.

– Standortansprüche: Die Berg-Mehlbeere ist recht anspruchslos und wächst gut auf trockenen, aber auch auf steinigen Böden und felsigen Untergründen. Sie bevorzugt kalkhaltige Substrate und gedeiht sowohl in praller Sonne, als auch im lichten Schatten und verträgt auch starke Winde.

– Schnitt, Düngung, Bodenpflege: Diese Maßnahmen sind nicht notwendig.

– Verwendungsmöglichkeiten: Die Früchte sind nach den ersten Frösten auch zum Frischverzehr geeignet und können dann vielseitig verwendet werden. Hierbei ist v.a. die Verarbeitung mit weiteren Früchten, die wenig Säure enthalten, zu Fruchtsäften, Konfitüre, Essig und Wein von Bedeutung. Durch die Beimischung von Früchten der Berg-Mehlbeere sind diese Erzeugnisse erheblich länger haltbar, sie schmecken dann auch besser.

– nahe verwandte Arten: Sehr ähnlich ist die Österreichische Mehlbeere (Sorbus austriaca), welche vermutlich durch Kreuzung der Eberesche mit der Griechischen Mehlbeere (Sorbus graeca) entstand.

Sorbus x thuringiaca

Diese Kreuzung aus Sorbus aria und Sorbus aucuparia ist in Hessen, Franken und Thüringen auch in der freien Natur anzutreffen. Sie ist v.a. als Sorte ´Fastigiata´ bekannt, welche einen 5 – 7 m hohen und langsam wachsenden Baum darstellt. Von Mai bis Juni erscheinen die weißen Schirmrispen. Aus den Blüten entwickeln sich 1 – 1,5 cm große, kugelige bis ovale und orangerot gefärbte Früchte, welche von August bis September reif werden. Diese Sorte bringt reiche Erträge. Eine weitere Sorte von dieser Art wäre die 8 – 10 m hohe ´Leonard Springer´ mit eiförmigen, orangeroten und 1,5 – 2 cm großen Früchten, deren Reifezeit im August beginnt.