Weinstock pflanzen – Tipps, Standort, Vermehrung


Weinstöcke liefern leckere, saftige Früchte. Sie verleihen Hausgärten außerdem eine mediterrane Note. Beranken die Weinreben Hauswände, wirkt ihr Laub wie eine Isolierung, so dass der Wein beim Energiesparen hilft. Mit einer entsprechenen Rankhilfe fungiert sie sogar als Garten-Sichtschutz.

Insekten und kleine Wildtiere finden in ihm einen Lebensraum und sogar Nahrung. Gründe um über den Anbau von Weinreben im eigenen Garten nachzudenken, gibt es also genug.

Das Anpflanzen und die Pflege von Wein gelingt Ihnen auch als Laie.

Weinstock pflanzen – Standortansprüche für Haus, Balkon oder Terrasse

Nicht umsonst liefern Weinreben aus dem Mittelmeerraum und diejenigen aus den südlichen Gefilden Deutschlands den süßesten Wein. Denn zum Ausreifen benötigen die Früchte viel Wärme und insbesondere im Herbst Sonnenlicht.
Wenn Sie in milden Regionen mit mindestens 160 frostfreien Tagen, durchschnittlichen Nachttemperaturen von 15 Grad Celsius zwischen Juni und Juli sowie um die 1.200 Sonnenstunden pro Jahr einen Garten besitzen, können Sie aus einem Reichtum von etwa 5.000 Sorten an Weinpflanzen wählen.

Bevorzugte Anpflanzungen erfolgen an der Hauswand, auf dem Balkon oder der Terrasse.

Die Sorte Calastra beispielsweise liefert helle, große Beeren mit einem feinen, süßen Geschmack und wenig Säure. Roséfarben sehen die Früchte der Sorte Original aus, die vergleichsweise mild schmecken. Blaue Beeren liefert die Sorte Moldawa. Bevorzugen Sie eine Sorte ohne lästige Kerne, wählen Sie die Sorte Venus.

Weinreben für Norddeutschland
Doch selbst, wenn Sie im Norden Deutschlands wohnen, können Sie sich im Weinanbau versuchen. Bestimmte Sorten wie die rote Rebsorte Regent und die weiße Rebsorte Solaris tragen auch in kühleren Regionen gut. Obendrein sind sie pilzresistent, so dass Sie sich um die Gesundheit der Rebstöcke in Regenperioden keine Sorgen machen müssen.

Falls Sie sich für eine andere Sorte entscheiden, sollte auch diese eine frühe Sorte sein, damit Sie sie beizeiten beernten können.

Standort- und Pflanztipps
Um Ihrer Weinrebe ein optimales Klima zu schaffen, verlassen Sie sich nicht allein auf die mit dem Klimawandel einhergehende Erderwärmung. Inszenieren Sie in Ihrem Hausgarten ein günstiges Kleinklima, das mediterrane Verhältnisse nachahmt.
Setzen Sie auf der Wetterseite eine Hecke als Windschutz, schaffen Sie Höhenunterschiede durch die Anlage von Terrassen und bieten Sie Ihren Weinstöcken eine Hauswand als „Schutz im Rücken“.

Wählen Sie einen vollsonnigen Standort, der nach Süden ausgerichtet ist. Wenn Sie Ihre Weinreben vor eine Wand setzen, benötigen sie zusätzlich ein Spalier bzw. ein Weinstock Gestell (Rankhilfe), das sie erklimmen können. Auch mit einem Draht kann der Weinstock entsprechend befestigt oder angebunden werden. So dass er in gewünschte Höhe wachsen kann.




Prüfen Sie die Bodenverhältnisse. Die Erde sollte für Weinstöcke tiefgründig und mineralisch sein. Wichtig ist eine gute Durchlässigkeit, damit sich das Regenwasser nicht staut. Der ideale Pflanztermin für wurzelnackte Weinstöcke ist das Frühjahr, Containerpflanzen können Sie auch später noch setzen.

Allerdings ist von der Pflanzung im Herbst abzuraten, weil Nachtfröste der Weinrebe schaden könnten. Heben Sie das Pflanzloch einen halben Meter tief aus und lockern Sie den Untergrund. Falls erforderlich, bessern Sie den Bodenaushub auf, indem Sie je nach Beschaffenheit Kies, Sand oder Kompost hinzufügen.

Setzen Sie die Weinrebe in das Pflanzloch ein, wobei sich die Veredlungsstelle drei Zentimeter über dem Erdboden befinden sollte. Halten Sie die Pflanze schräg zum Spalier, damit sie an diesem gerade emporwachsen kann und nicht abknickt. Füllen Sie das Pflanzloch bis zur Hälfte mit dem Bodenaushub auf und schlämmen Sie die Weinpflanze ein.

Wenn das Wasser in den Boden eingezogen ist, geben Sie den restlichen Aushub in das Pflanzloch und treten Sie ihn vorsichtig an. Ziehen Sie einen Gießrand. Gießen Sie den Weinstock gut an. Falls Sie mehrere Pflanzen nebeneinander setzen, halten Sie den Pflanzabstand von mindestens einem Meter unbedingt ein.

Weinrebe als Balkon- und Terrassenbepflanzung

Grundsätzlich können auch Gärtner ohne große Platzverhältnisse eine Rebe auf dem Balkon oder der Terrasse kultivieren, sofern eben die entsprechenden Bedingungen gegeben sind. Es gelingt, sofern es ein warmer und geschützter Standort ist, idealerweise auch in einem ausreichend großen Kübel. Dieser sollte eine Drainageschicht erhalten sowie ein Wasserauslauf.

Anders als eine Bepflanzung im Garten, muss regelmäßiger gewässert werden, so dass die Erde nie trocken wird. Ebenfalls ist eine regelmäßige Düngung alle 2 Wochen empfehlenswert.
Essentiell ist ebenfalls der Winterschutz. Auch auf Balkonen und der Terrasse kann es trotz Nähe zum Haus frieren und damit die Pflanze gefährden.

Pflege Tipps und Düngung von Weinstöcken

Sicherlich freuen Sie sich darüber, dass Ihre Weinrebe bereits im ersten Jahr etliche neue Triebe entwickelt. Doch bedenken Sie, dass diese sich fortan verzweigen, so dass die Pflanze sehr unübersichtlich wird. Das birgt einige Nachteile.

Die Weinrebe muss die Kraft in alle Triebe stecken, so dass sie anfälliger für Krankheiten wird. Sie setzt mehr Früchte an, die aber kleiner bleiben.

Zudem stehen die Triebe so eng beisammen, dass sie nach einem Regen schlechter abtrocknen. Das erhöht das Risiko für Pilzkrankheiten. Reduzieren Sie deswegen auf den kräftigsten Haupttrieb und leiten diesen an einem Stützpfahl. Alle anderen Triebe brechen Sie nach den Eisheiligen heraus. Kontrollieren Sie den Haupttrieb weiterhin und kürzen Sie die daraus wachsenden Nebentriebe auf drei Blattachsen ein. Leiten Sie den Haupttrieb weiter, bis Sie ihn Mitte September kappen. Im zweiten Jahr beginnen Sie, den Weinstock aufzubauen.

Mitte März kürzen Sie den Haupttrieb auf ungefähr einen Meter ein. In den kommenden Monaten entwickeln sich aus ihm heraus mehrere Triebe. Lassen Sie lediglich die oberen zwei sowie einen Zapfen stehen und befestigen Sie die Triebe am Spalier, die restlichen schneiden Sie direkt am Stamm ab. Formen Sie das Fruchtholz an einem feuchten Tag zu Bögen, damit mehr Sonne an die Früchte gelangt.

Im Sommer führen Sie sogenannte Laubarbeiten durch, indem Sie immer wieder nachwachsende Triebe ausbrechen, die Triebe neu leiten und kurz vor der Reife diejenigen Blätter an den Weinreben entfernen, die einen Schatten auf die Früchte werfen.

Damit die Wildvögel bei der Ernte nicht schneller sind als Sie, hüllen Sie die Trauben in Nylonsäckchen ein, damit sie bis zur endgültigen Reife Sonne tanken. Das macht die Früchte süßer.

In den Folgejahren erziehen Sie den Weinstock weiter, indem Sie beim Winterschnitt die jeweils sechs kräftigsten stammnahen Triebe stehen lassen und alle anderen sowie krankes Holz abschneiden. Führen Sie den Winterschnitt bei Temperaturen zwischen minus fünf und null Grad Celsius durch.

Wenn es wärmer ist, schlagen die Triebe aus und könnten beim Abschneiden verbluten. Damit sie große Früchte entwickelt, benötigt Ihre Weinrebe ausreichend Nährstoffe. Verwenden Sie keinen handelsüblichen Dünger, weil dieser zu viel Stickstoff enthält, der das Risiko für verschiedene Blattkrankheiten erhöht.

Geben Sie stattdessen jährlich im Frühjahr reifen Kompost und arbeiten Sie ihn leicht in den Boden ein. Rechnen Sie mit ungefähr drei Litern pro Quadratmeter. Im September können Sie Ihrer Weinrebe eine Kalidüngung verabreichen, damit das Holz gut ausreift und Frostschäden verhindert werden.




Seien Sie beim Gießen der Weinrebe sparsam, zu viel Wasser begünstigt die Entstehung von Pilzkrankheiten. Anstatt täglich zu gießen, wässern Sie lieber alle zwei Wochen einmal durchdringend. Da die Weinrebe ein Tiefwurzler ist, greift sie auf den Wasserproviant in tieferen Erdschichten zurück. Beseitigen Sie Unkräuter, damit diese den Weinstöcken keine Nährstoffe entziehen. Falls Ihre Weinreben zu dicht beieinander stehen, entfernen Sie die konkurrierende Pflanze und setzen sie an einen anderen Ort.

Zu erkennen ist ein Nährstoffmangel daran, dass neue Triebe straff aufrecht stehen, anstatt weich herunterzuhängen. Trocknet Ihr Boden schnell aus, verhindern Sie eine vorschnelle Wasserverdunstung durch das Mulchen rund um die Weinrebe.

Das Abdecken des Bodens wirkt außerdem vorbeugend gegen das Aufkommen von Unkräutern und liefert Nährstoffe. Vor dem ersten Frost gönnen Sie Ihrer Weinrebe einen Winterschutz. Häufeln Sie sie locker bis über die Veredlungsstelle mit Erde oder Kompost an. Im Frühjahr entfernen Sie die Abdeckung wieder. Den Kompost können Sie gleich als Dünger in den Boden einarbeiten.

Krankheiten vorbeugen und Weinreben vermehren

Leider werden Weinpflanzen gelegentlich von Krankheiten befallen. Sie können vorbeugen, indem Sie beim Veredeln von Steckhölzern resistente Unterlagen wählen oder alternativ krankheitsresistente Pflanzen im Fachhandel erwerben.

Der Anbau von unveredelten Steckhölzern ist übrigens in Deutschland gesetzlich verboten, weil sich auf ihnen die Reblaus verstärkt ansiedelt. Pilzkrankheiten an Weinreben treten vorwiegend bei feuchter Witterung auf. Beugen Sie vor, indem Sie die Geiztriebe an den Pflanzen regelmäßig auslichten, so dass für eine bessere Durchlüftung gesorgt ist, damit sich die Feuchtigkeit auf den Blättern nicht allzu lange hält.

Eine häufige Pilzkrankheit an Weinstöcken ist der Rote Brenner, der sich durch gelbe bis rotbraune Flecken auf den Blättern bemerkbar macht. Den Echten Mehltau erkennen Sie an einem weißen Belag auf den Blättern und Früchten. Sieht der Belag hingegen grau aus, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Grauschimmel.

Bei trockenem Wetter breiten sich Spinnmilben häufig auf den Blättern der Weinreben aus. Entfernen Sie die befallenen Teile umgehend und entsorgen Sie sie über den Hausmüll, damit die Sporen nicht auf andere Pflanzen übertragen werden. Vorbeugend können Sie außerdem Ackerschachtelhalmbrühen und Netzschwefel spritzen. Sie kräftigen das Immunsystem der Weinreben, so dass Krankheiten besser abgewehrt werden können. Bei einem starken Krankheitsbefall kommen Sie um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht herum. Achten Sie dabei auf die richtige Anwendung und halten Sie sich an die Angaben des Herstellers.

Verzehren Sie die Früchte erst, wenn Sie die Wartezeit eingehalten haben. In Weinbauregionen tritt seit einigen Jahren die Kirschessigfliege wieder auf. Verhindern Sie, dass diese ihre Eier auf den Weinbeeren ablegt, indem Sie diese mit einer Gaze abdecken. Nach dem Schnitt der Triebe sind die Schnittwunden ideale Eintrittspforten für Krankheitserreger.

Halten Sie diese deswegen so klein wie möglich und die Schnittränder glatt, indem Sie eine scharfe Schere verwenden, die Sie gerade ansetzen. Desinfizieren Sie die Klingen vor dem Schnitt. Benutzen Sie für die Lese eine Traubenschere, um die Früchte zu schonen. Es besteht bei deren Benutzung weniger die Gefahr, dass Sie Triebe beschädigen. Ernten Sie an einem trockenen Tag.

Hier noch ein sehenswertes Hilfevideo mit Infos rum die Weinreben.